Der öffentlichkeitsscheue Eigentümer der Novomatic, Johann Graf, ist bestens vernetzt. Im Rahmen der Casinos-Ermittlungen tauchten 157 Schenkungsverträge auf, bei denen es zur Geldverteilung von insgesamt 30 Millionen Euro kam. Ex-Novomatic-Aufsichtsratschef Lugmayr, Wohlfahrt und ganze dreimal Harald Neumann, wurden dabei bedacht. Graf wird der Bestechung verdächtigt, im kommenden Casinos-Untersuchungsausschuss wird er unter Anderem eine Frage beantworten müssen: Wollte er Gesetze kaufen?

Vom Metzger zum Multimilliardär

Der 73-jährige ist nicht nur Gründer der Novomatic, sondern auch bis heute Alleineigentümer. Ein Konzern, der ursprünglich ganz klein angefangen hat, schließlich zu einem erfolgreichen Konzern aufstieg. Natürlich nicht frei von Kritik. Die Glücksspielbranche ist hart umkämpft, der Erfolg des Konzerns beruht schlussendlich auch darauf, dass viele Spielsüchtige an den Automaten der Novomatic ihre Existenzen verspielt haben.

Spielsucht sind Einzelfälle

So sieht etwa Monika Racek, Geschäftsführerin des Glücksspielanbieters Admiral, einer Tochter der Novomatic, Spielsüchtige als Einzelfälle, wie sie in einem Interview im Jahr 2019 auf „trendingtopics.at“ sagte. In der Branche ist längst bekannt, dass ein Großteil der Spielerträge und somit Gewinne, mit dem Leid beziehungsweise der Spielsucht der Gäste generiert wird. Wir richteten aus diesem Grund ein paar Fragen an die Pressestelle der Admiral, aufgrund der gewünschten Wahrung von Betriebsinterna konnte man uns jedoch keine Auskünfte erteilen. Interessiert hätte uns etwa, wieviel Prozent seiner Kunden Admiral als Problemspieler und somit Spielsüchtige sieht.

Heikle Zahlungsflüsse

Die Ermittler der Staatsanwaltschaft verdächtigen Graf der Bestechung von Politikern. Wie der Falter recherchierte, floss Geld auch an Ehefrauen von staatlichen Entscheidungsträgern. Es steht also der Verdacht von Gesetzeskauf und Korruption im Raum. Betont sei, dass für Johann Graf die Unschuldsvermutung gilt und er selbst alle Vorwürfe ausdrücklich zurückweist. Insider selbst sagen, Graf sieht die Novomatic und deren Mitarbeiter wie eine Familie. Geld hat er immerhin genug angesammelt. Heikel wird es nur dann, wenn sich die Vermutungen der Staatsanwaltschaft als richtig erweisen und die Geldflüsse, beispielsweise zur gezielten Änderung von Gesetzen, in Verbindung bringen lassen.

Absage für U-Ausschuss

Wie soeben bekannt wurde, hat Johann Graf sein geplantes Erscheinen im U-Ausschuss am zweiten Tag (5. Juni), aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Es wird sich zeigen, ob sich ein Ersatztermin finden lässt, oder die Befragung beispielsweise über die Möglichkeit einer Zuschaltung per Video gelöst werden kann. Zu wie vielen weiteren Absagen es bei den anderen Auskunftspersonen kommt, wird sich zeigen.

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