Die Casinos Austria kommen in der Affäre, rund um die Bestellung des Vorstandes Peter Sidlo, nicht zur Ruhe. Im aktuell laufenden Casinos U-Ausschuss wird kräftig aufgearbeitet. Und auch wenn es zu vielen Entschlagungen von Auskunftspersonen kommt, aufgrund gleichzeitig laufender Strafverfahren. Es ist mittlerweile klar: Die ÖVP war viel stärker in diese Vorgänge eingebunden, als bisher angenommen. Türkise Netzwerke bei den Casinos Austria?

Novomatic und die ÖVP

Wie das Online-Medium ZackZack aktuell berichtet, gab es eine Allianz zwischen der ÖVP und Novomatic. Ursprünglich ging man davon aus, dass die FPÖ mit Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus ihren langjährigen „Freund“ Peter Sidlo in den Vorstand der Casinos Austria helfen wollte. Dabei gab es nur ein Problem: Die FPÖ hat keine Verbindungen zu Novomatic und den Casinos Austria. Die ÖVP aber schon.

Thomas Schmid dirigierte Sidlos Bestellung

Laut ZackZack soll Thomas Schmid, der damals noch als ÖVP-Generalsekretär im Finanzministerium tätig war, zusammen mit dem damaligen Novomatic-CEO Harald Neumann die Bestellung Sidlos organisiert haben. Schmid hat es derzeit nicht leicht. Gegen ihn ermittelt die WKStA als Beschuldigten und es wird ihm der Drogenmissbrauch vorgeworfen. Wir haben darüber berichtet.

Tauschgeschäft zwischen ÖVP und FPÖ

Dabei verfolgten beide Parteien verschiedene Interessen. Es war ein Tauschgeschäft, das für beide Seiten zu ihren Vorteilen führen sollte. Doch auch die Novomatic wollte davon profitieren, mit einer Online-Lizenz für das Online-Glücksspiel. Doch diese würde die Novomatic nur mit einer Entflechtung des bestehenden Gesetzes erhalten können. Denn die einzige verfügbare Online-Lizenz wird von den Österreichischen Lotterien gehalten, diese ist mit der bestehenden Lotterien-Lizenz verflochten.

Im Gegenzug für die Vorstandsbestellung und Online-Lizenz wollte die ÖVP Thomas Schmid als alleinigen Geschäftsführer der staatlichen Beteiligungsholding ÖBAG wissen. Das sagte laut ZackZack der Ex-Casinos-Vorstand Alexander Labak gegenüber der Staatsanwaltschaft.

Entflechtung notwendig

Damit die Novomatic also an die Online-Lizenz kommen könne, müsse das bestehende Gesetz entflochten werden. Genau diese Gesetzesänderung wollte die Novomatic laut Vorwürfen der WKStA von der FPÖ kaufen.

Sebastian Kurz eingebunden

In die Bestellung des damaligen Vorstandes Peter Sidlo, war Sebastian Kurz wohl offenbar doch eingebunden. Bisher wurde stets betont, Kurz war über diese Vorgänge nicht in Kenntniss gesetzt worden. Doch Thomas Schmid gilt als enger Freund und Vertrauter von Sebastian Kurz, weshalb auch mit Nachdruck versucht wurde, Peter Sidlo als Vorstand der Casinos zu installieren, damit sein Freund Schmid die alleinige Geschäftsführung der ÖBAG erhält.

Türkise Netzwerke bei den Casinos Austria

Diese nun bekannt werdenden Informationen lassen vermuten, dass Parteipolitik bei den Casinos Austria alltäglich ist. Viel stärker als bisher angenommen. Die derzeitige Direktorin der Casinos Austria, Bettina Glatz-Kremsner, hat Erfahrung mit der türkisen Farbe, war sie doch früher die Vize und enge Verbündete von Sebastian Kurz. Die Verbindung wird von Kennern der Branche als nach wie vor ausgezeichnet bezeichnet.

Bestätigung durch aufgetauchtes Dokument

Türkise Netzwerke bei den Casinos Austria
Auf beschlagnahmten Dokumenten (Auf einem Notizheft mit Logo der Raiffeisen) notierte Walter Rothensteiner ein Gespräch mit Kurz. Foto: ZackZack.at

Bei den bereits stattgefundenen Hausdurchsuchungen kam es zu Beschlagnahmungen vieler Papierstücke. Auf einem dieser Dokumente notierte der Casinos-Aufsichtsratvorsitzende Walter Rothensteiner ein Treffen zwischen Pröll und Kurz. Es ging laut ORF um „Holdinglösung für die Casinos sowie eine Vorstandsbestellung ohne Ausschreibung“.

Wie immer gilt für alle genannten Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Quellen:

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