Spielerschutz auf europaweit einzigartigem Niveau? Die heimischen Glücksspielbetreiber Casinos Austria und Novomatic-Tochter Admiral werden nicht müde zu betonen, dass ihnen Spielerschutz ein wichtiges Anliegen ist. Spielerschutz ist in Österreich auf einem europaweit sehr hohen Niveau, so die Betreiber. Dies ist mit Spielerschutz-Zertifizierungen der ECA und G4 bestätigt. Doch wer steckt hinter den ausgebenden Stellen dieser Siegel? Wir haben uns das näher angesehen. Teil 1.

European Casino Association

Für die Casinos Austria stellt die European Casino Association (kurz ECA) ein Spielerschutz-Siegel aus, welches auch entsprechend auf der Website der Casinos beworben wird. Die ECA hat ihren Sitz in Belgien. Ein näherer Blick auf die Firmenstruktur der ECA zeigt, dass es sich dabei um eine europaweite Interessensvertretung für Casinos handelt. Pro Land gibt es ein Mitglied in der Organisation. In Österreich handelt es sich dabei um die Casinos Austria selbst.

Screenshot der Casinos Austria Website. Das „Responsible Gaming Certified“-Siegel der ECA ist dort plakativ – als einzige Auszeichnung – angebracht.

Ex-Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher als Vizepräsident

Am 6. Februar 2018 wurde der damalige Vorstandsdirektor der Casinos Austria in der ECA zum Vizepräsidenten gewählt und war somit an der Spitze der Organisation, die den heimischen Casinos Austria auch das Responsible Gaming Zertifikat ausgestellt hat. Doch bereits zuvor war Dietmar Hoscher Teil der ECA, als er im September 2011 in das Board (Verwaltungsrat) der ECA aufgenommen wurde.

Generaldirektorin der Casinos Bettina Glatz-Kremsner

Seit Februar 2020 befindet sich die derzeitige Generaldirektorin der Casinos Austria, Bettina Glatz-Kremsner, im Vorstand der European Casino Assocation. ÖVP-Dame Glatz-Kremsner gilt als Vertraute des Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Dietmar Hoscher hingegen räumte seinen Platz. Bei den Casinos Austria schied er aus, erfreute sich dort jedoch noch über üppige Abfertigungszahlungen in Millionenhöhe.

Foto Casinos Austria, © Christof Wagner, Portrait Glatz-Kremsner

General Secretary

Noch eine weitere Person aus Österreich taucht bei der ECA-Organisation auf. Hermann Pamminger, ebenso bei den Casinos Austria tätig, hat die Funktion des General Secretary bei der ECA seit Februar 2020 inne und ist somit der Geschäftsführer für Administratives. Seit 2007 war er zuvor als Pressekoordinator bei der European Casino Association tätig. Außerdem war er der Assistent von Dietmar Hoscher (SPÖ) und seit 1991 bei den Casinos Austria International tätig bis er 2013 zu dem Schwesterunternehmen Casinos Austria wechselte. Ende Juni 2020 gab die ECA außerdem bekannt, dass Hermann Pamminger nun Mitglied der European Association of the Study of Gambling wurde. Kurz EASG.

Hermann Pamminger ist nun auch im Vorstandskommittee der EASG. Screenshot: Twitter

SPÖ-Hoscher nimmt Spielerschutz-Auszeichnung entgegen

Im November 2018 nimmt Dietmar Hoscher, ehemaliger Casinos-Vorstand und ehemaliger Abgeordneter zum Nationalrat der SPÖ (damals ebenso Vizepräsident der ausstellenden Stelle ECA) in doppelter Funktion, das Spielerschutz-Siegel für die Casinos Austria entgegen. Zu diesem Zeitpunkt war Hoscher nämlich zeitgleich auch im Vorstand der Casinos Austria.

Foto: Screenshot European Casino Association Website/Pressemeldung

Welchen Wert hat das Spielerschutz-Siegel der ECA?

Das Konstrukt der ECA wirkt etwas eigenartig. Es handelt es sich um eine ausschließliche Interessensvertretung für europäische Casinobetriebe. Eine externe Prüfeinheit kontrolliert zwar, die von der Organisation in Auftrag gegebene Erstellung eines Papiers für Spielerschutz. Doch der zu überprüfende Gegenstand, die Prüfungsparameter, werden wohl von der European Casino Association geliefert.

Casinos Austria sehen in Siegel Bestätigung für guten Spielerschutz

Auf der Website der Casinos Austria, wird der Erhalt des Responsible Gaming Zertifikats als großer Erfolg dargestellt. Es ist auch laut Website der Casinos die einzige „externe“ Bestätigung über Spielerschutz-Agenden des Unternehmens im Bereich der Casinos selbst.

„2014 wurde Casinos Austria als erstes Unternehmen weltweit für sein Responsible Gaming Management System nach den Standards der European Casino Association (ECA) zertifiziert. […] Für die Erreichung dieser Zertifizierung wurden von Austrian Standards als unabhängigem Institut acht Teilbereiche intensiv geprüft, darunter insbesondere die Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Responsible Gaming, verantwortungsvolle Werbung und Informationen für Casinogäste.“

Laut Website der Casinos Austria

Pieter Remmers als zuständiger Experte für Spielerschutz

Zuständig für die inhaltlichen Passagen des Spielerschutzbereichs der European Casino Association ist laut diversen Pressemeldungen und Bestätigungen durch Insider der Branche Pieter Remmers. Er ist seit 1989 in der Casino-Industrie im Bereich Spielerschutz, Training und Consultant aktiv und ein vielbeschäftigter Mann. Im Jahr 2003 rief er die G4 (Global Gambling Guidance Group) ins Leben und ist dort im Vorstand. Bei der G4 handelt es sich um jene Organisation, die bereits unzähligen Novomatic-Betrieben, darunter auch Admiral, das Spielerschutz-Siegel ausgestellt hat. Das Siegel für Responsible Gaming, welches von der ECA an die Casinos Austria ausgestellt wurde, wird von einer externen Prüfungsstelle, der Austrian Standards, geprüft. Auf Basis der von Pieter Remmers erstellten Grundlagen für Responsible Gaming. Pieter Remmers ist zugleich Geschäftsführer der zuvor erwähnten EASG, bei der auch sein Sohn Ynze Remmers tätig ist. Ynze Remmers ist übrigens auch Lead-Auditor für die G4, welche das Spielerschutz-Siegel für die Novomatic-Tochter Admiral ausstellte.

Selbstausgestelltes Zertifikat?

Wir gingen der Frage nach, wie ernst Spielerschutz beim ausgestellten Responsible Gaming Zertifikat wirklich geprüft wird. Auf der Website der ECA findet sich dazu ausschließlich ein wenig aussagekräftiges Positionspapier. Eine entsprechende Anfrage von uns blieb unbeantwortet. Wir wollten mehr über die Spielerschutz-Parameter der Prüfung erfahren. Das Spielerschutz-Siegel ist somit äußerst fragwürdig, da abgesehen von der von der ECA eingesetzten Struktur der Vorstände und Geschäftsführer, als auch lückenhafte Präsentation von Spielerschutz auf deren Website, diesen Schluss zulässt. Es handelt sich offensichtlich um ein mehr oder weniger inhaltlich selbst-gestricktes Zertifikat, welches guten Spielerschutz vortäuschen soll.

Wir baten die Casinos Austria, die Novomatic-Tochter Admiral sowie die European Casino Association um Antworten auf diese Ausführungen und weitere Fragen. Erhielten jedoch keine Rückmeldung. Einzig seitens der G4 meldete sich Ynze Remmers zu Wort.

Yncze Remmers (Lead Auditor bei G4) weist die Vorwürfe zurück und sagt, dass sowohl die G4, als auch ECA und EASG völlig eigenständige Einrichtungen sind, die aus verschiedenen Vorständen und zu unterschiedlichen Handlungszwecken gegründet wurden. Verbindungen zwischen G4, EASG und der ECA bestreitet Remmers.

Spielerschutz auf minimalem Niveau

Die Casinos Austria existieren seit 1934. Der Konzern hat mehr als genug Erfahrung mit Spielsucht und Spielerschutz gesammelt. Es liegt also nicht an mangelndem Wissen oder fehlenden Experten, dass Spielerschutz auf einem möglichst niedrigen Niveau betrieben wird. Es liegt vielmehr daran, dass sich die Casinos in Österreich beim Spielerschutz entlang den gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen bewegen. Diese Schutzmaßnahmen sind im Glücksspielgesetz nicht sonderlich streng geregelt, sondern sehr förderlich für wenig Spielerschutz und somit maximale Einnahmen. Ein Zustand, der schon längst hätte beseitigt werden müssen. Und zwar vom Gesetzgeber.

Auf Twitter bemüht sich die European Casino Association um Werbung für die Mitglieder der Organisation. Screenshot: Twitter

In anderen Betrieben der Tochtergesellschaft der CASAG, den Casinos Austria International, etwa in der Schweiz, sind die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen deutlich höher. In diesen Betrieben werden die Spielsüchtigen auch deutlich besser geschützt – etwa durch die Möglichkeit einer Fremdsperre. Das Wissen, wie guter Spielerschutz betrieben werden kann, existiert also. Einzig der Wille, zu Lasten von Umsatz und Gewinn Spielsüchtige tatsächlich zu schützen, der fehlt. Nach internen Erhebungen und jahrelangen Auswertungen bei den Casinos Austria wurde ermittelt, dass 75% des Bruttospielertrages von nur 3% der Gäste generiert werden. Somit werden also von den restlichen 97% der Gäste nur etwa 25% des Bruttospielertrages erwirtschaftet, so Unternehmenskenner.

Quellen uA: European Casino Association, Casinos Austria Website, Gaming Americas

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