Die Casinos kommen nicht aus den Schlagzeilen. Die österreichische Presse schreibt regelmäßig über den teilstaatlichen Glücksspielkonzern, doch meist geht es um vermeintlichen Postenschacher, politische Vernetzungen oder Millionengräber, die hausgemacht sind. Nun werden Informationen laut, dass die Casinos im April nahe der Insolvenz waren. Ist dies nun eine mediale Vorbereitung auf einen Casinos Austria Rettungsschirm, nach Vorbild der AUA?

Hohe Verluste

Der Kurier berichtet über hohe Verluste bei den Casinos. Es ist die Rede von mindestens 60 Millionen Euro. Harte Konsequenzen sollen nun angedacht sein: Kündigungen von Mitarbeitern, Schließungen von unrentablen Standorten.

60 bis 100 Millionen Euro Verlust für 2020

Die zwölf Casinos, die im Inland betrieben werden, sollen bis Jahresende einen Verlust von mindestens 60 Millionen Euro einspielen, in einem Worst Case Szenario wird von bis zu 100 Millionen Euro ausgegangen. Für die nächsten vier Jahre wurden Verluste von mehr als 150 Millionen Euro berechnet, sofern nicht umgehend die Notbremse gezogen wird.

Große strukturelle Probleme

Dabei sind die Probleme nicht neu. Seit vielen Jahren sind die strukturellen Probleme im Konzern bekannt. Die viel zu hohen Personalkosten, zu viele Mitarbeiter, dadurch nur wenige Standorte die positiv betrieben werden können. Ganze vier Betriebe laufen gewinnbringend, acht weitere spielen Verluste ein. Zusätzlich kommt noch das Rauchverbot, welches sich ebenfalls negativ auf die Unternehmenszahlen auswirkt. Insider bezeichnen seit Langem die Struktur der Casinos Austria als „verstaubt“ und enorm kostenintensiv.

Immense Kosten durch alte Verträge

Mehr als 220 altgediente Croupiers, die schon lange im Unternehmen sind, haben ein Durchschnittsgehalt von rund 130.000 Euro jährlich, die Betriebspensionen nicht berücksichtigt. Jedes Casino hat sein eigenes Management, in der Zentrale am Rennweg in Wien arbeiten weitere 220 Mitarbeiter (von insgesamt 770) für die Casinos-Betriebe. Personalkosten: Mehr als 50 Millionen Euro im Jahr.

Drohende Insolvenzgefahr

Laut Kurier drohte aufgrund der massiven Verschlechterung wegen Corona sogar die Insolvenzgefahr. Die Liquidität hat sich massiv verschlechtert. Dabei waren die Casinos Austria eines der ersten Unternehmen, die um Kurzarbeit beim Staat angesucht hatten. Noch am Tag vor dem geplanten Lockdown wurde bereits bekannt, dass die Casinos ab dem 13. April ihre Türen schließen werden. Die Kurzarbeit wurde am selben Tag angemeldet. Die Personalkosten alleine können also nicht unbedingt für die Liquiditätsengpässe verantwortlich gemacht werden.

Clever: Mit den Trinkgeldern, die in den Betrieben der Casinos gesammelt werden, finanziert der Konzern seine Personal- und Betriebspensionskosten

Bitten um Trinkgeld für Konzernkosten

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Casinos Austria ihre Mitarbeiter in den Spielbanken anweist, bei Gewinnen von Gästen um Trinkgeld zu bitten. „Für die Mitarbeiter“ soll das Geld verwendet werden, sagen die Croupiers vor Ort in den Betrieben. „Danke, im Namen der Mitarbeiter“, so der Spruch. Doch die Mitarbeiter bekommen davon kein Trinkgeld, wie ein normaler Gast vermuten würde. Die Casinos verwenden die Einnahmen in diesen Trinkgeld-Töpfen zur Bezahlung der normalen Löhne und Betriebspensionen. Clever gemacht.

Finanzspritze durch Lotterien

Ende Mai wurden 53 Millionen Euro aus dem gewinnbringenden Konzernunternehmen, den Österreichischen Lotterien, umgeschichtet und den Casinos Austria zugeführt. Das Kapital wurde bei den Lotterien um 100 Millionen Euro herabgesetzt.

Millionen aus dem Fenster geworfen

Der Konzern gibt sich im Kurier-Artikel sparsam agierend. Doch bisher wurden die Millionen, teils unsinnig, aus dem Fenster geworfen. Erst Ende letzten Jahres wurde in zahlreichen Medien-Artikeln laut, dass ehemalige Vorstände mit Millionen abgefunden wurden. Hintergrund war die Ablöse im Vorstand, die vermutlich aus parteipolitischen Gründen motiviert war. Diese Vorgänge werden derzeit untersucht. Doch auch die Generaldirektorin selbst, Bettina Glatz-Kremsner, stand im Mittelpunkt der Themen. Es geht um Pensionszusagen im Millionenhöhe, so ZackZack.

Job-Abbau

Auch Jobs sollen aufgrund der Verluste abgebaut werden. Laut Kurier sprechen Insider von 50 Prozent zuviel Beschäftigten in den Betrieben. Alleine am Standort in Linz, einem der verlustbringenden Casinos, werden ca. 100 Personen beschäftigt. Aktuell befinden sich 90 Prozent der Mitarbeiter aller Standorte in Kurzarbeit.

Staatshilfe

Im Bericht des Kurier wird wohl schon in Richtung Staatshilfen vorgebaut. Die Kurzarbeit nehmen die Casinos Austria schon seit Beginn des Lockdown in Anspruch. Weiters angedacht sind laut dem Pressesprecher des Unternehmens, ein Antrag beim Notfallfonds, sowie Ersuchen um Stundungen für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, weiters das Erstrecken von Zahlungsziele und eine Reduktion der Mietkosten. Interessant ist, dass die Casinos erst im Jahr 2019 einen Rekordgewinn von 112 Millionen Euro eingefahren haben. Trotzdem will man nun Staatshilfen nutzen und möglicherweise auf einen Rettungsschirm hoffen.

ÖVP Finanzminister Gernot Blümel. Foto: Die Presse (Clemens Fabry)

Präsentiert Gernot Blümel einen Casinos Austria Rettungsschirm?

Der Finanzminister Gernot Blümel zeigte sich Anfang des Jahres schon motiviert, den Casinos Austria unter die Arme zu greifen. So forderte er in der ORF „Pressestunde“ ein „Österreich-Paket“ für das Traditionsunternehmen, welches 3.000 Arbeitsplätze in diesem Land sichere. Präsentiert Gernot Blümel möglicherweise schon bald einen Casinos Austria Rettungsschirm für das angeschlagene Glücksspielunternehmen?

Quelle: Kurier, weitere Quellen direkt im Text als Link hinterlegt.

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